Methodik
Wir treffen zwei Arten von Aussagen: welche Meldungen zum selben Ereignis gehören und wie eine Quelle einzuordnen ist. Beide sind angreifbar. Hier steht, wie sie zustande kommen — damit Sie ihnen begründet widersprechen können.
Woher die Meldungen kommen
Wir lesen die öffentlichen RSS- und Atom-Feeds von derzeit 42 deutschen Medien, vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk über die überregionale Presse bis zu dezidiert linken und rechten Angeboten. Alle zehn Minuten prüfen wir auf neue Meldungen.
Gespeichert und angezeigt werden Überschrift, Link und Zeitpunkt. Artikeltexte geben wir nicht wieder und fassen sie nicht zusammen — gelesen wird bei den Redaktionen.
Wie Themen gebildet werden
Jede Überschrift wird in einen Vektor übersetzt, der ihre Bedeutung abbildet. Eine neue Meldung kommt zu einem bestehenden Thema, wenn sie diesem inhaltlich nahe genug ist; andernfalls eröffnet sie ein neues. Ein Thema bleibt 72 Stunden offen.
Das Verfahren arbeitet in einem Durchgang und ordnet nachträglich nichts um. Das hat einen Grund: Ein Thema, dessen Adresse sich später ändert, wäre für Sie nicht mehr auffindbar. Der Preis ist, dass die zuerst eingetroffene Meldung das Thema prägt.
Als Überschrift eines Themas wählen wir die Meldung, die dem inhaltlichen Mittelpunkt am nächsten liegt. Das ist in der Regel die nüchternste Formulierung der Gruppe, nicht die zugespitzteste.
Wie weit der Bestand zurückreicht
Dreissig Tage. Ältere Meldungen und die daraus berechneten Vektoren werden gelöscht, Themen ohne verbliebene Meldung ebenfalls. Ein Thema, dessen ältere Meldungen aus dem Fenster fallen, bleibt bestehen und führt danach nur noch die Quellen, die es noch gibt.
Das ist bewusst so und nicht bloss Sparsamkeit. Verglichen wird jede neue Meldung gegen alle offenen Themen — je grösser der Bestand, desto mehr Gelegenheiten hat eine Meldung, zufällig nah an etwas Unverwandtem zu landen und falsch gruppiert zu werden. Ein gleitendes Fenster hält den Vergleich auf dem aktuellen Nachrichtengeschehen, und genau darum geht es hier: Diese Seite zeigt, wer gerade worüber berichtet. Ein Archiv ist sie nicht und soll sie nicht sein.
Wie Quellen eingeordnet werden
Wir bewerten zwei Dinge getrennt, weil sie unabhängig voneinander sind:
- Verlässlichkeit — wie sorgfältig ein Medium überprüfbare Tatsachen wiedergibt: Korrekturpraxis, Trennung von Bericht und Kommentar, dokumentierte Falschmeldungen, Rügen des Deutschen Presserats.
- Politische Ausrichtung — wo die redaktionelle Linie steht, auf einer Skala von links bis rechts.
Ein stark positioniertes Medium kann sehr genau berichten, ein Medium der Mitte nachlässig sein. Beide Werte zu einer einzigen „Vertrauensnote“ zusammenzuziehen würde genau diese Unterscheidung zerstören — und das ist der Fehler, den wir vermeiden wollen.
Jede Einordnung trägt eine Begründung und ist bei der jeweiligen Quelle nachlesbar.
Wann wir von einseitiger Berichterstattung sprechen
Ein Hinweis erscheint nur, wenn ein Thema von mindestens fünf eingeordneten Quellen berichtet wird und eine Seite des Spektrums höchstens zehn Prozent davon stellt.
Drei Regeln halten diese Aussage ehrlich:
- Unter fünf Quellen sagen wir „zu wenige Quellen“ — nicht „ausgewogen“. Dünne Datenlage als Befund auszugeben wäre irreführend.
- Nicht eingeordnete Medien zählen nicht als Mitte. Fehlende Information ist keine Mäßigung.
- Berichtet nur die Mitte, ist das kein Hinweis auf beiden Seiten, sondern eine andere Beobachtung.
Ein Medium, das dasselbe Thema über zwei eigene Kanäle verbreitet, zählt als eine Stimme.
Grenzen des Verfahrens
- Die Einordnungen sind Urteile, keine Messwerte. Sie stützen sich auf veröffentlichte Kriterien, bleiben aber bestreitbar — besonders an den Rändern der Skala.
- Die Bündelung macht Fehler. Zwei Themen können verschmelzen, ein Thema kann zerfallen.
- Wir sehen nur, was in Feeds steht. Was ein Medium nicht über seinen Feed ausspielt, existiert für uns nicht.
- Die Auswahl der Medien ist selbst eine Setzung. Wir haben uns um Breite bemüht; vollständig ist sie nicht.
- Reichweite ist nicht berücksichtigt. Eine Quelle mit Millionenpublikum zählt genauso wie ein kleines Blog.
Widerspruch
Halten Sie eine Einordnung für falsch, schreiben Sie uns über die Adresse im Impressum. Wir prüfen jeden begründeten Einwand und korrigieren, wenn er zutrifft.